Biographie: Victor Bruns www.voctorbruns.de

Biographie

Im Mittelpunkt von Bruns’ Schaffen stehen zweifellos seine zahlreichen Instrumentalkonzerte. Die Konzertwerke für Blasinstrumente überwiegen, doch fast alle anderen Instrumente sind berücksichtigt.

Die Kammermusik ist sein zweiter Schwerpunkt, wobei sich die Werke für Bläser und Streicher etwa die Waage halten. Die Besetzungen folgen den klassischen Trios, Quartetten, Sextetten, Oktetten. Die Kompositionen sind instrumentengerecht, musikalisch mit einer üppigen Melodik und überschaubarem, prägnantem und frischen Rhythmus geschrieben.

Bruns schrieb seine Kompositionen häufig auf Wunsch von Musikern. Er erzählte: “Es ist komisch, immer kommen sie und wollen etwas Melodisches, Thematisches, und es muss klar sein und rhythmisch interessant. Sie wollen immer dasselbe, dabei bin ich gewiss etwas altmodisch“. Das Wichtigste für Bruns ist, „die typischen Eigenarten, Klangfarben und Möglichkeiten der Instrumente herauszustellen“.

Victor Bruns wurde als Sohn deutscher Eltern am 15. August 1904 geboren, in dem kleinen südostfinnischen Ort Ollila, wo sich die Eltern in ihrem Sommerhause aufhielten. Die Eltern wohnten sonst in Sankt Petersburg, dem späteren Petrograd bzw. ab 1924 Leningrad.

Die vaterseitigen Vorfahren stammten aus der Bremer Gegend, von wo der Großvater als Kaufmann nach St. Petersburg auswanderte, die mutterseitigen von aus Frankreich gekommenen Hugenotten (Mutter geb. Salomé). So entstanden eine genetische deutsch-französische Mischung sowie ein starker Einfluss des russischen Lebens und russischer Kultur.

Victor besuchte noch zur zaristischen Zeit eine deutsche Schule in Sankt Petersburg und bekam dort seine erste musikalische Ausbildung am Klavier. Die Familie liebte Musik: Der früh und schon vor der Revolution verstorbene Vater sang im Gesangverein, die Mutter spielte Klavier, Victors älterer Bruder Erich Geige und der jüngere Friedrich Violoncello. So wurde viel Hausmusik gemacht.

Mit der Revolution 1917 brach auch für die Familie Bruns eine schwere Zeit an. Die beiden älteren Brüder mussten noch vor ihrer Studentenzeit ihren Unterhalt selbst verdienen, der eine als Lastenträger, der andere im Gemüsegarten.

Um im Studentenorchester der Technischen Hochschule spielen zu können, erlernte Victor Bruns noch als Schüler das Fagott.

Nach Abschluss der Schule folgte Victor Bruns zuerst dem Wunsch der Familie und nahm ein Studium an der Technischen Hochschule auf. Nach einem Jahr naturwissenschaftlichen Studiums war jedoch seine Begeisterung für die Musik bzw. für sein Fagott so groß, dass er sich 1924, im Alter von 19 Jahren, zur Aufnahmeprüfung am Konservatorium anmeldete.

Von Prof. Gawrilow wurde Victor auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet, die er mit dem ersten Satz des Mozart-Konzerts (1924) am Rimski-Korsakov-Konservatorium bestand. Sein Lehrer dort wurde der berühmte Solo-Fagottist der Leningrader Philharmonie Alexander Wassilliew.

Zu dieser Zeit kann der Stummfilm auf. Für die jungen Musikstudenten gab es die Gelegenheit, die Vorführungen zu umrahmen, wobei sie viel lernten. Hier entstand bei Victor Bruns der Wunsch, sich auch an der Filmmusik zu versuchen (op. 7).

Nach drei Jahren Studium am Konservatorium erspielte sich Victor Bruns 1927 mit dem Weber-Konzert die zweite Stelle am Staatlichen Leningrader Theater für Oper und Ballett.
Zu dieser Zeit besuchte der damals schon berühmte Komponist Sergej Prokofjew das Leningrader Konservatorium, und Victor konnte mit drei Mitstudenten sein Humoristisches Scherzo op.12 Nr. 9 für vier Fagotte vorspielen.
Der Besuch Prokofjews machte einen großen Eindruck auf den jungen Musiker. Im späteren Leben kam er immer wieder im Gespräch auf ihn zurück. Prokofjew wurde für Victors kompositorisches Schaffen zum erklärten Vorbild.

Anfang der 30iger Jahre war die Stadt an der Newa ein Zentrum für zeitgenössische Musik in der jungen Sowjetunion. So begegnete Victor Bruns beispielsweise solch bekannten Komponisten wie Alban Berg, Franz Schreker, Darius Milhaud, Arthur Honegger, Igor Strawinski und Paul Hindemith. Die Aufführung von Alban Bergs „Wozzek“ beeindruckte Victor Bruns besonders.

Dies stimulierende Milieu bewog Bruns, sich mit der Kunst des „Erschaffens von Musik“ zu beschäftigen. 1927 bis 1931 nahm er ein Kompositionsstudium bei Wladimir Stscherbatschow auf. Schon während des Studiums wurde im Rahmen von Konzerten der Kompositionsklasse das erste Streichquartett von Victor Bruns, op.6, aufgeführt.

In den folgenden Jahren verband Victor Bruns eine Freundschaft mit dem später berühmt gewordenen Chefdirigenten der Leningrader Philharmoniker, J. Mrawinski. Mrawinski dirigierte eine seiner ersten Kompositionen, eine Stummfilmmusik op. 7 (die leider verschollen ist).

Die Zeit nach Abschluss seines Studiums 1931 bis zur Ausweisung aus der Sowjetunion 1938 war für Victor Bruns eine schaffensfreudige, erfolgreiche Zeit.

So entstanden Werke wie:

Alle diese Werke gelten als verschollen.

Victor Bruns schloss sein Studium mit dem 1. Fagottkonzert op. 5 ab, das 1933 seine Uraufführung erlebte. Er selbst war Solist des Konzerts der Leningrader Philharmoniker unter Leitung eines englischen Gastdirigenten. Dieses Werk ist das einzige, das Victor Bruns aus Russland mitbrachte.

Die folgenden Jahre brachten tiefgreifende Veränderungen in das Leben von Victor Bruns: durch Ausweisung aus der stalinistischen Sowjetunion als reichsdeutschen Bürger. Er entging als anerkannter Musiker einer Verhaftung, während seine beiden Brüder (Techniker) verhaftet, der Spionage angeklagt und unschuldig nach 9-monatiger Haft 1938 zusammen mit Victor des Landes verwiesen und nach Deutschland ausgewiesen wurden.

Victor Bruns fand nicht gleich eine Anstellung in Berlin, so verdiente er seinen Unterhalt z.T. als Notenschreiber oder machte Aushilfsdienste in verschiedenen Orchestern als Fagottist. 1940 fand er eine Anstellung als zweiter Fagottist an der Volksoper Berlin, wo er bis 1944 tätig war.
Die alleinige Tätigkeit als Fagottist im Orchester fand Victor Bruns immer zu eintönig, obwohl er dort gern spielte. So wurde das Komponieren seine eigentliche musikalische Beschäftigung.

In dieser Zeit entstanden Stücke wie:

1944 wurde das gesamte Orchester der Volksoper Berlin nach Hirschberg in Schlesien verlegt. Von dort wurde Victor Bruns zur Wehrmacht eingezogen, gelangte in die sowjetische Gefangenschaft und kehrte im Dezember 1945 völlig unterernährt nach Berlin zurück.

Er bekam bald eine 2. Fagottstelle an der Staatsoper Berlin, wo er auch zum Spielen des Kontrafagotts verpflichtet war. Das bald folgende Angebot, Solofagottist der Staatsoper zu werden, lehnte Victor Bruns ab, um sich intensiv dem Komponieren zu widmen.

Victor Bruns fand in Berlin in Boris Blacher einen zweiten bedeutenden Kompositionslehrer, der ihn vor allen Dingen auf seine besondere Begabung und Stärke für Konzert- und Kammermusik aufmerksam machte und versuchte, Victor Bruns von zu üppigen, großen Kompositionsstücken zu kleineren, durchsichtigeren zu führen. Victor Bruns schätzte den zusätzlichen Unterricht bei Boris Blacher sehr.

Das Ballettschaffen ist besonders zu erwähnen. Sein sehr geschätzter Librettist für Ballett und Oper war Albert Burkat. Das letzte gemeinsame Stück, die Oper „Minna von Barnhelm“, harrt noch der Uraufführung.

In den fünf Jahrzehnten von 1946 bis zu seiner schweren Erkrankung 1994, die Victor Bruns als 90-jähriger durchmachte, entstanden seine Hauptwerke, von op. 15 bis op. 98 (op. 99 blieb Fragment).